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In viele Clubs komme ich schon seit Jahrzehnten jedes
Jahr hin. Ob das in einer Großstadt ist oder einer kleinen Gemeinde, ist
mir egal. Der Jazz ist mein Beruf, und wenn Leute kommen und sich dafür
interessieren, wird gespielt. Und ganz sicher ohne Unterschied in der
Qualität. Ich spiele immer gern.
Daneben gab und gibt es ganz anders geartete
Veranstaltungen. Es gab die Zusammenarbeit mit dem tschechischen Pantomimen
Milan Sladek, den ich improvisatorisch begleitet habe, es gibt auch immer
mal wieder Anfragen von Tänzern, die mit mir zusammenarbeiten möchten,
was ich auch schon öfter gemacht habe. Es gab in den 50er Jahren
Bühnenmusiken am Frankfurter Schauspiel, die wir in der Gruppe gespielt
haben, ausgehend von der Komponistin Adelaid Montain, die auch mal ein
Posaunenkonzert geschrieben hatte, das wir zusammen mit einem Orchester in
einer Kirche in Bad Homburg aufgeführt haben; es gibt da Veranstaltungen
der unterschiedlichsten Ausrichtung, die ich wahrgenommen habe und weiter
wahrnehmen werde. Aber nicht wegen des Geldes, manchmal sind sie auch gar
nicht so lukrativ, sondern ganz einfach, weil es mich reizt. Ich habe mich
immer einer gewissen Herausforderung gestellt: Wie weit kannst du an ein
Publikum, das mit deiner Musik nicht familiär ist, herankommen? Oder: Bin
ich fähig, auch ein ganz anderes Publikum zu interessieren, und das noch
mit einer so herben Angelegenheit wie dem Solospielen? Ich kann nicht
sagen, daß das immer gelungen ist, aber der Versuch reizt mich immer
wieder.
Eigentlich bedauere ich, daß es mir als Instrumentalist
nicht möglich ist, politische Inhalte zu transportieren. Andererseits
denke ich, daß die Haltung, die man als Künstler, der in der
Öffentlichkeit steht, bestimmten Strömungen gegenüber einnimmt, auch
etwas bewirkt.
Den Jazz als eine linke Musik zu bezeichnen, habe ich
Bedenken. Zum Beispiel die Nazis, sie wollten den Jazz nicht dulden, auf
jeden Fall war er ihnen suspekt, und dennoch haben sie, wie wir heute
wissen, Gebrauch davon gemacht, wenn auch nur zu Propagandazwecken. Oder
nehmen wir Spanien. Unter dem Franco-Regime war Jazz nie verpönt oder gar
verboten, im Gegenteil, es gab dort sehr viele Jazzfestivals. Aber genau
dadurch war der Jazz praktisch entpolitisiert. Oder wenn wir an die DDR
denken. Zuerst war der Jazz verpönt, dann aber, in den späteren Jahren,
hat man diese Haltung aufgegeben und die Jazzmusiker gewähren lassen, sie
sogar mit Dauervisum ausgestattet, womit sie den Jazz letztlich
neutralisiert haben. Man könnte sagen, daß sie den Jazz fast eingespannt
haben für ihre Zwecke. Ich meine, es hängt immer davon ab, wie sich die
Obrigkeit verhält, ob der Jazz eine politische Wirkung hat.
Dennoch, auch wenn sich der Jazz nicht in ein politisches
Raster einordnen läßt, spricht immer ein gewisser Protest aus ihm, eine
Haltung zum Leben, die anders ist als die, die von einer Obrigkeit, ganz
gleich welcher Art, gefördert wird. Wenn er allerdings in totalitären
Systemen toleriert wird, besteht die Gefahr seiner Neutralisierung.
Andererseits läßt sich nicht leugnen, daß der Jazz auch unter den Nazis
politisch gewesen ist, denn Jazz spielen oder sich dafür interessieren,
bedeutete Bekenntnis für eine unkonventionelle und nicht geduldete Musik,
und auch ein Bekenntnis oder ein Flirten mit Amerika, das ja offiziell
Feindnation war. Das trifft ähnlich auch auf die frühe DDR und auf die
Sowjetunion zu, als der Jazz noch als westlich-dekadent geschmäht wurde. |