Teddy Doering

Coleman Hawkins
Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten

Mit 24 größtenteils bisher unveröffentlichten Fotos 
namhafter Jazzfotografen, sowie 112 CD-Coverabbildungen 
und einige Notenbeispiele.
248 Seiten, Hardcover,
€ 24,80 [D], € 25,50 [A], CHF 44,40

ISBN 978-3-923657-61-2

 


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Wie war Hawkins’ persönliches Verhältnis zu Lester Young? Nach allem, was zu lesen ist, dürfte es wohl übertrieben sein, die beiden »Freunde« zu nennen (Hawkins hatte ganz allgemein nur sehr wenige echte Freunde). In den späten vierziger und den fünfziger Jahren waren beide oft zusammen als Teil der JATP-Tourneen unterwegs und auf der Bühne. Der Umgang miteinander war eher freundlich vorsichtig, aber im Konzert konnte die Rivalität voll ausbrechen. Einige Mitschnitte von JATP-Konzerten zeigen dies, ebenso wie die katastrophale Metropole-Session von Art Ford. Aber es ist auch auffallend, daß es außer diesen Live-Aufnahmen keine gemeinsamen Studiosessions der beiden gibt.

Geplante Tenor-Battles wie etwa zwischen Dexter Gordon und Wardell Gray fanden nicht statt. Hawkins hatte eigentlich bei Plattenaufnahmen auch immer nur Vertreter »seiner« Schule mit dabei: Arnett Cobb, Buddy Tate, Eddie Davis und natürlich Ben Webster. Die einzige Ausnahme bildete Budd Johnson, aber der kam auch eher zufällig ins Studio.

Hawkins äußerte sich mehrfach recht anerkennend über Lester Young, aber ohne große Begeisterung. Vielleicht tat er dies auch nur aus Höflichkeit. Aber einmal immerhin ließ er die Maske fallen, als er sagte: »Dieser Lester Young, wie kommt er damit durch? Er ist die halbe Zeit stoned, er kommt immer zu spät und er kann nicht spielen!« [Bud Freeman, p. 101]

Vielleicht war diese Bemerkung auch nur einer momentanen Verärgerung zuzuschreiben. Tatsache ist, daß Coleman Hawkins sich bei den gemeinsamen JATP-Tourneen immer rührend um seinen Kollegen Lester Young gekümmert hatte, als dieser alkoholbedingte Probleme hatte. Lester wollte nichts mehr essen, aber Hawkins kaufte ihm immer wieder einen Snack oder eine ganze Mahlzeit, nur um das Essen später unangetastet unter Youngs Sitz wiederzufinden. Hawk spielte bei Young die gleiche Rolle des vergeblich bemühten Helfers, wie es zehn Jahre später Barry Harris und Thelonious Monk bei ihm tun sollten.