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Wie
war Hawkins’ persönliches Verhältnis zu Lester Young? Nach
allem, was zu lesen ist, dürfte es wohl übertrieben
sein, die beiden
»Freunde« zu nennen (Hawkins hatte ganz allgemein nur
sehr wenige
echte Freunde). In den späten vierziger und den
fünfziger Jahren waren
beide oft zusammen als Teil der JATP-Tourneen unterwegs
und auf der
Bühne. Der Umgang miteinander war eher freundlich
vorsichtig, aber im
Konzert konnte die Rivalität voll ausbrechen. Einige
Mitschnitte von JATP-Konzerten
zeigen dies, ebenso wie die katastrophale
Metropole-Session
von Art Ford. Aber es ist auch auffallend, daß es
außer diesen Live-Aufnahmen
keine gemeinsamen Studiosessions der
beiden gibt.
Geplante Tenor-Battles
wie etwa zwischen Dexter Gordon und Wardell Gray fanden
nicht
statt. Hawkins hatte eigentlich bei Plattenaufnahmen
auch immer nur Vertreter
»seiner« Schule mit dabei: Arnett Cobb, Buddy Tate,
Eddie Davis
und natürlich Ben Webster. Die einzige Ausnahme
bildete Budd Johnson,
aber der kam auch eher zufällig ins Studio.
Hawkins äußerte sich mehrfach recht anerkennend über
Lester Young,
aber ohne große Begeisterung. Vielleicht tat er dies
auch nur aus Höflichkeit.
Aber einmal immerhin ließ er die Maske fallen, als er
sagte: »Dieser
Lester Young, wie kommt er damit durch? Er ist die
halbe Zeit stoned,
er kommt immer zu spät und er kann nicht spielen!«
[Bud Freeman,
p. 101]
Vielleicht war diese Bemerkung auch nur einer
momentanen Verärgerung
zuzuschreiben. Tatsache ist, daß Coleman Hawkins sich
bei den
gemeinsamen JATP-Tourneen immer rührend um seinen
Kollegen Lester
Young gekümmert hatte, als dieser alkoholbedingte
Probleme hatte.
Lester wollte nichts mehr essen, aber Hawkins kaufte
ihm immer wieder
einen Snack oder eine ganze Mahlzeit, nur um das Essen
später unangetastet
unter Youngs Sitz wiederzufinden. Hawk spielte bei
Young die gleiche
Rolle des vergeblich bemühten Helfers, wie es zehn
Jahre später Barry
Harris und Thelonious Monk bei ihm tun
sollten. |