Reiner Kunze (u.a.)

Deutsch. 
Eine Sprache wird beschädigt

Herausgegeben von der 
Bayerischen Akademie der Schönen Künste
in Zusammenarbeit mit der
Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS)


120 Seiten, bibliophil gebunden,
€ 12,80 [D], € 13,20 [A], CHF 22,50
.ISBN 978-3-923657-74-20

 


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Inhaltsverzeichnis
Leseprobe
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Die Neuregelung ist als «Vereinfachung» verkauft
worden, tatsächlich aber bringt sie nur ein
neues System sprachferner Festlegungen. Die
unterschiedliche Behandlung zum Beispiel von
Tipp und Trip, bankrott sein und Bankrott gehen, zu-
sammenfügen und aneinander fügen ist durch nichts
zu rechtfertigen und kaum zu beherrschen. Die
gegenwärtige Fehlerhäufigkeit ist keine Kinderkrankheit
der Reform! Bevor man an eine Neuformulierung
der orthographischen Regeln ging,
hätte man empirisch feststellen müssen, wie in
Wirklichkeit geschrieben wird – natürlich nicht
von Kindern und «Wenigschreibern», sondern
von Gebildeten und Professionellen. Dies hat auch
der Deutsche Bundestag in seiner Resolution
vom 23. März 1998 völlig richtig erkannt: «Der
Staat ist darauf beschränkt,Verfahren zur Feststellung
der tatsächlich verwendeten Sprache festzulegen.»
Geht man so vor, läßt sich die tatsächlich
geübte Rechtschreibung in wesentlich kürzerer
und klarerer Form darstellen, als es der Duden bisher
getan hat. Damit verschwindet dann jeder
Reformbedarf, und die Bildungspolitik kann sich
wieder ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden.